Die Geschichte des Grazer Schlossberges
von Othmar Tögel (2007)

Als stets gefährdetes Grenzland war die Steiermark besonders reich an Burgen und Schlössern. Noch im 17. und 18. Jhdt. Zählte man im Herzogtum Steiermark, zu dem damals die heute in Slowenien gelegene Unersteiermark gehörte, nicht weniger as 386 Objekte. Die Hauptbauzeit der Burgen fällt in das Zeitalter der Romanik (11. bis 13. Jhdt.). Die Burg war gebaute Wehr-, Wirtschafts- und Wohnform.

Der Grazer Schlossberg

Lange vor dem ersten urkundlichen Auftreten einer Wehranlage, scheint auf dem 123 m hohen Dolomitfelsen ein vorgeschichtlicher Ringwall und später eine kleine Fluchtburg (gradec) der Slowenen bestanden zu haben, die namensgebend für die später am Bergfuß errichtete Siedlung wurde.

Gewiss hatten die Grafen der Karantanermark oder die Hochfreien von Stübing bereits zu Beginn des 12. Jhdts. Die befestigungstechnischen Vorzüge des Berges und dessen strategische Bedeutung erkannt. Nicht nur der Murübergang, sondern auch der Zutritt des Feindes vom Grazer Feld in das steirische Oberland konnte von hier aus gesperrt werden. Über das Aussehen der romanischen Burg des 12. Jhdts. Auf dem nördlichen Teil des Berges ist nichts bekannt. 1164 ist vom Castrum Graece die Rede. Markgräfliche Ministeriale – Herren von Graz genannt, versahen die Burghut. Zeitweilig wohnten auch die Markgrafen, später die Herzöge in der Feste, die 1354 als haues Grecz und 1479 als gesloss bezeichnet wird.

Im 15. Jhdt. waren in der Schatzkammer des Schlosses habsburgische Hausurkunden, kostbare Gewänder und Schmuck aufbewahrt. 1525 wurde auch der Wiener Neustädter Schatz hier deponiert.

Im 16. Jhdt. setzte sich der Name Schlossberg allgemein durch. Seit dem 17. Jhdt. umfasste er auch die südliche Vorkuppe, den Paulsberg, der seit dem 13. Jhdt. Den Bürgern gehörte und später als Stadt- oder Bürgerbastei vom gotischen Wehrturm (Uhrturm) überragt, in die Stadtbefestigung einbezogen war.

Von der Altburg, mit mächtigen Ecktürmen, hohem Bergfried, bezinnten Ring und Zwingmauern blieb nur wenig übrig. Einige Umbauten sind für das 14. und 15. Jhdt. bezeugt. Die mittelalterliche Burg, die noch 1532 die Türken abgeschreckt haben dürfte, verfiel aber 1543 in einen trostlosen Zustand.

Zwischen 1544 und 1576 erfolgte auf Kosten der steirischen Landschaft, später der Hofkammer, die Neubefestigung des Schlossberges. Die neue Befestigung umfing die ganze Bergeshöhe mit Mauern, Basteien, Kanonenständen, Magazinen, Unterkünften und Kommandogebäuden. In fast hundertjähriger mühevoller Arbeit und schweren Geldopfern war das gewaltige Bollwerk auf dem Schlossberg entstanden. Zusammen mit der Stadtbefestigung galt es als Hauptfestung Innerösterreichs.
1605, als die Hajduken ins Land eingefallen waren, erhielt die Festung durch Bauernrobot noch zusätzlich Schanzkörbe und Bollwerke. Am Westhang des Berges stand seit dem 16. Jhdt., als Graz zur Sammelstelle des in Innerösterreich erzeugten Schießpulvers geworden war, ein Pulverturm.

Die Wasserversorgung war auch eine wichtige Frage. Zunächst wurden Zisternen geschaffen. Dann später, da ein Röhrensystem und Pumpwerk versagten, wurde zwischen 1554 und 1558 der 94 m tiefe Türkenbrunnen bis zum Grundwasser gegraben. Damit war die Festung für immer mit Wasser versorgt.

1663/64 war der Schlosshauptmann dem Stadthauptmann unterstellt worden.
1683 hatte man die Basteien mit Palisaden umzogen.
1710/14 wurden um den oberen Berghang wieder Palisaden gezogen.

Nachher hatte der Schlossberg wegen der geänderten politischen Lage an Bedeutung verloren.

Einige Daten:

1562 standen auf dem Schlossberg 27 einsatzbereite Geschütze, darunter 15 mit Rädern.

Im 17. Jdht. Waren es über 50 Kartaunen, Singerinnen, Notschlangen, Feldschlangen, Falkonen, Haubitzen, einfache und doppelte Falconetten, sowie Mörser.
Im Zeughaus lagen damals 300 Doppelhakenbüchsen für die Besatzung. Diese betrug 1552 nur 25 Mann, stieg aber gegen Ende des 16. Jhdts. auf 50 Mann. 1609 waren es ausnahmsweise 100 Mann. Während des 17. Jhdts. bleibt sie aber meist auf 60 Mann beschränkt. Die Wachen konnten daher nur mangelhaft besetzt werden.
In der ersten Hälfte des 18. Jhdts. waren durchschnittlich 100 Soldaten mit ihren Familien am Schlossberg stationiert. Zusammen also ca. 300 – 400 Einwohner. Für Proviant und Armierung war bestens gesorgt. 1606 lag soviel Munition und Mehl auf dem Berg, dass für 2000 Mann auf ein Jahr genügt hätte.

1809 forderten die Franzonen Major Freiherr von Hackher zur Übergabe des Schlossberges auf. Major Hackher und Cerrini widersetzten sich mit ihren Truppen der Übermacht. Erst durch den Frieden von Schönbrunn musste sich die tapfere Besatzung ergeben und erhielt freien und ehrenhaften Abzug. Die Festungswerke, die schon 1805 gesprengt werden sollten, wurden nun geschleift. Der Glocken- und der Uhrturm wurden von den Grazer Bürgern den Franzonen abgekauft.

Im Glockenturm hängt die um 1587 von Martin Hilger gegossene 8.272 Pfund schwere Türkenglocke oder liebevoll auch Liesl genannt, eine der größten Glocken der Steiermark.
Sie wird heute noch täglich um 7, 12 und 19 Uhr mit je 101 Schlägen geläutet.

 

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