Bogenschützen in Graz im 14. Jhdt.
von Thomas Schegula (2009)

 

Die militärische Darstellung unserer Gruppe ist eine kleine Bogenschützeneinheit, die ev. auch unter päpstlichem Sold steht, welche von einem niederen Adeligen (Ministerialer, Bürger) als Hauptmann angeführt wird.

So erscheinen Grazer als Kriegsknechte bereits im 14. Jahrhundert unter den päpstlichen Soldtruppen (Schäfer, Karl Heinrich: Deutsche Ritter und Edelknechte in Italien während des 14. Jahrhunderts, 4 Bde., Paderborn 1911, 1914, 1940, Namensverzeichnis)

In den ältesten Zeiten der Stadt kam es öfters vor, dass Ministeriale und Ritter das Grazer Bürgerrecht erwarben. Der letzte Uldalrichinger Ottokar z.B. war ein Grazer Bürger (Popelka, Untersuchungen, S.132) Es gab vom 12. bis zum 14. Jhdt. einen städtischen Adel, der sich aus den Ministerialengeschlechtern auf dem Schlossberg und aus ihren Dienstmannen zusammensetzte. Diesem Stadtadel waren die Stadttürme bzw. auch Abschnitte der Stadtmauer zur Verteidigung zugewiesen. Darunter waren Dienstleute des Erzbischofs von Salzburg oder des Bischofs von Seckau, die ebenfalls in der Stadt oder in ihrer näheren Umgebung Besitzungen hatten. Mitglieder dieses Stadtadels, der sich durchaus auch kaufmännisch betätigt zu haben scheint, bekleideten teilweise auch im 13. Jhdt. das Stadtrichteramt oder waren als Ratsherren im Stadtrat vertreten.

Im Laufe des 14. Jahrhunderts allerdings vermischt sich dieser städtische, mit Bürgern versippte Adel durch den immer stärker werdenden Zuzug des Landadels nach Graz. Die Landstände hatten ab ca. 1400 hier einen Mittelpunkt für ihre Versammlungen gefunden, und auch eine Kanzlei für die landständische Verwaltung eingerichtet. Verstärkt wurde dieser Zuzug nach Graz natürlich ab 1379 durch den Regierungssitz der habsburgischen Nebenlinie unter Leopold III. Dieser Zustrom blieb auch die weiteren Jahrzehnte erhalten, da bis zu Beginn des 16. Jhdt. Graz durch mehrere Jahrzehnte dem deutschen Kaiser und diversen Königen ebenfalls als Residenzstadt gedient hatte.

 

Die Gewerbe der Bogen- und der Pfeilschnitzer

Das Gewerbe der Bogenbauer bzw. der Bogner war im Mittelalter nicht nur in England sonder anscheinend auch in Graz sehr angesehen. Symon der Pogner beispielsweise bekleidete 1402 und 1415 das Amt eines Stadtrichters (L.A.Urk. 4072 a; H.H.ST.A. Rep. 3,1415 IX 16). Es ist davon auszugehen, dass jener auch schon einige Jahre vorher dieses Handwerk in Graz ausgeübt hat und sein Geschäft in der Sporgasse angesiedelt war, da dieses Handwerk ebenfalls zu den Waffengewerben gehörte.
Der Bogner Hanns Rebniczer besaß 1468 ein Haus in der Sporgasse und einen Anteil an einem Garten am Hang des Schlossbergs.

Die Erwähnung der fast ebenso wichtigen Pfeilschnitzern, die zwar nur teilweise mit Metall arbeitete trotzdem aber zu den Waffengewerben zu zählen sind, findet erst relativ spät statt: 1506 soll im Auftrag Kaiser Maximilians I. der Vizedom den besten Grazer Meister zur Anfertigung von Pfeilen auswählen. Man kann aber davon ausgehen, dass dieses Handwerk auch schon früher, gemeinsam mit dem der Bogenmacher, in Graz ausgeübt wurde.

Quellen:
Popelka, Fritz: Geschichte der Stadt Graz, Band II, 1959/1960
Brunner, Walter (Hrsg): Die Geschichte der Stadt Graz, Band II, 2003

 

zurück